Aufruf


Bitte sendet mir Eure Kurzgeschichten, welche mit der Hochsensibilität zu tun haben. Ich werde den Namen und den Ort ändern und mit Eurem Einverständnis diese Story hier veröffentlichen.

Danke  :-)


Alle hier aufgeführten Geschichten sind passiert. Der Name und der Ort wurden von der Redaktion geändert.


Diese Zeilen hat Ruth mal nach einem für Sie schmerzhaften Erlebnis geschrieben:

 

Es ist als würde der Körper aufgeschnitten,

operiert nur mit leichten Schmerzmitteln,

keine Narkose,

ich fühle wohin die Messer geführt werden.

Opfer werden zu Tätern ... ich will weder das eine noch das andere.

Weiß nicht ob du begreifst

Seit ich zurück denken kann,

es war immer so ...

und ich halte das aus ...

ich wehre mich nicht,

weiß nicht wie ich sollte,

ich schreie nicht, ich bin still und ertrage das,

noch ...,

und dann höre ich,

ich soll nicht so empfindlich sein,

soll mich zusammenreißen,

mich nicht gehen lassen,

und ich bin immer noch still,

und weine für mich alleine,

für mich und all die anderen Verletzten,

deren Schmerzen keiner kennt,

auch für dich ...

und du tust mir weh,

merkst es nicht,

kannst es nicht wissen,

schneidest in alten Wunden,

und ich fühle mich klein,

und wehre mich nicht ...

bin zu leise,

mach was ich immer machte,

ertrag das und bin still ...

hoffe, das es aufhört ...

ich höre den Menschen zu,

aber meine Worte sind zu leise,

meine Geschichte hört man nicht,

irgendwann werde ich sie vielleicht herausschreien,

es ist die Geschichte der Menschen,

die wie die Lämmer sind,

von ihren Müttern getrennt,

auf dem Weg zum Schlachtfest.

So, und im nächsten Leben

werde ich Löwe, oder Wolf, oder

doch wieder Schaf … 😊

Hallo an euch alle

Ich bin 32 Jahre alt,habe zwei Kinder ,wohne in einer Kleinstadt in Hessen und lebe (noch) in einer Beziehung.
Bewusst habe ich dieses "noch" eingeklammert,denn dies wird ein teil meiner Geschichte sein.

Viele Jahre merkte ich,das etwas mit mir irgendwie extrem anders ist,als mit so vielen Menschen in meinem Umfeld. Ich versuchte,je älter ich wurde,genau zu spezifizieren WAS genau anders war. Das erste was mir auffiel : ich schien in "zwei Phasen" zu leben. Einmal konnte ich die ganze Welt umarmen und mit dem anderen mal wollte ich nichts sehen,nichts hören und wollte nicht mal mehr vor die Tür.
Damit "lebte" ich sehr lange und nahm es einfach so hin. Doch es war eine Qual für mich,denn mein Umfeld verstand mich noch weniger ,wie ich mich selbst. Arbeitsstellen wechselte ich fast im 1/2 Jahres Takt und zum Schluss wurde ich langzeitarbeitslos. Mein Lebenspartner schaute sich dieses sehr lange an,aber mit der Zeit fing er an,mir Vorwürfe zu machen ,wie : Du bist so unzuverlässig / Du gehst bei jedem bischen in die Luft / du schaffst es ja noch nicht einmal eine langfristige Arbeitsstelle zu behalten / Du rennst vor den Problemen weg.
Ja,das wußte ich im geheimen auch,aber dieses "warum ist das so? "konnte ich ihm nicht erklären,weil ich doch selbst im Dunkeln tappte! Jeder Tag wurde für mich zur Qual,jeden Tag nur Vorwürfe und diese schrecklichen Selbstzweifel. Warum fiel mir an manchen Tagen das Leben so leicht und ich hatte alles im griff? Und warum war es manchen tagen genau das Gegenteil?
Plötzlich kam dieser eine Tag... Es war ein Gefühl,als ob ein strahlender Sonnenschein nach jahrelanger Dunkelheit durch die Wolken bricht! In einer Zeitschrift las ich einen kurzen Artikel : Sind sie hochsensibel?
Als ich den Artikel beendet hatte war ich platt. Diese Worte beschrieben die Phase in der ich mich zurück zog,aber ungeklärt war diese andere phase,in der ich sehr aktiv war,also genau das Gegenteil. Ich zückte mein Handy und googelte " Hochsensibilität".
Und endlich! Dort fand ich meine Erklärung! Ein Artikel ,der mich zu beschrieben schien!
Es handelt sich um eine Mischform, Hochsensibel und High sensation seeker!
Nun hatte ich endlich eine Richtung in die ich gehen konnte um mich selbst zu verstehen.
Dies passierte vor zwei Monaten und mein festes Ziel ist nun ,dieses Thema öffentlich zu machen ,um anderen Menschen zu helfen und Antworten zu finden,denn Vorwürfe bekommen sie genug...von ihrem Umfeld und von sich selbst.
Es grüßt euch herzlichst
Roswita

Der Spieler


Hallo, mein Name ist Simon K. (24), ich bin Filmstudent aus NRW und HSP. Ich finde eure Seite sehr interessant und habe vor 6 Monaten festgestellt, dass ich selber ein HSP bin und auch der Eigenschaft des Scanner entspreche, mit 18 habe ich damals das Gymnasium abgebrochen und war professioneller Online-Pokerspieler, mit 21 habe ich alles verloren und litt danach unter dem Burn-out-Syndrom.

Ich finde eure Seite sehr interessant und möchte mich hiermit bei euch bedanken, das ihr euch dem Thema widmend.

Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet, Simon


Der Hubschrauber


Paul H. aus Emmerich

Ein dreieinhalb jähriger Junge wacht nachts ganz aufgelöst auf und ruft nach Mama und Papa. Sein Vater ist aus dem Bett raus und sprintet rüber zum Sohnemann. Schreiend, weinend und ganz fertig, versuchte Papa Ihn zu trösten.

Unter Tränen, aufgeregt und stotternd erzählt Paul sein Problem:

Papa, Papa da ist ein Hubschrauber in meinem Zimmer. Das fliegt hier lang und da und dort. Flog hier im Kreis und dann über mein Bett. Dann flog der Hubschrauber immer tiefer und dann zu meinen Füßen.

Papa, der Hubschrauber hat mich gebissen. Der hat mir in die Füße gebissen.

Der kleine Junge war noch immer aus dem Häuschen, erst nachdem sie beide das Zimmer abgesucht hatten und festgestellten, dass der Hubschrauber nicht mehr im Zimmer war, hat er sich beruhigt.

Anschließend wieder ab ins Bett und Paul ist wieder eingeschlafen. Er hatte mal einen sehr intensiven, lebhaften Traum.



Das Farbspektrum

 

Frank F. aus K


Früh morgens im März ging ich mit unserem Hund spazieren. Die Vögel sangen ihre Lieder, der Himmel war bedeckt.

Unser Hund klüngelte durch die Gegend und so lief ich sehr langsam den geteerten, feuchten Fußgängerweg entlang.

Nach einer Weile eröffnete sich mir ein strukturelle Vielfalt des Bodenbelages. Viele Erhebungen und Vertiefungen, unregelmäßige Strukturen. Plötzlich sah ich viele dezente Grüntöne, und sehr viel Grautöne. Erst dachte ich , jetzt ist es soweit… dann schaute ich weg und wieder nach unten auf den Boden.  Und erneut hunderte Farbunterschiede im Bodenbelag. OK

Dann den nächsten Baumstamm angeschaut, auch hier hunderte von minimalen Grünanteilen am Stamm, die Wiese dito.

Das fühlte sich schon beeindruckend an. Nach ein paar Minuten stellte ich fest, dass die Vielfalt an reizen mich schwächte.

Trotzdem war es schön.

Das muss man sich ungefähr so vorstellen: Die Graphikkarte im Computer wird von 256 auf 16,7 Mio. Farben umgestellt.

Ich kann sie sehen, wenn ich möchte.

möchte.

Der Regentropfen


Zu meiner Person: männlich, mitte vierzig, hochsensibel,aus NRW

 

Im Spätherbst ging ich in gewohnter Umgebung spazieren. Als plötzlich, aus dem nichts, ein paar dicke Regentropfen vom Himmel vielen.

Normalerweise bin ich aus Zucker und habe einen Regenschirm dabei, oder vermeide nach draußen zu gehen, wenn es regnet.

Ich hatte keine Jacke an und an diesem Tag konnte ich mich nicht schützen.

Die dicken Tropfen haben mich kalt erwischt. Sie drangen durch mein Haar auf die Kopfhaut und fühlten sich kühl und nass an. An meinen Armen und Händen spürte ich auch diese harten Tropfen. Jeder Tropfen war sehr gut wahrnehmbar. Ich fühlte diesen Druck beim Aufschlagen auf meiner Haut, das Verteilen der kleinen wegspritzenden Tröpfchen. Das Sammeln der Feuchtigkeit und das anschließende Ablaufen in kleinen Rinnsalen über meine Arme und Hände. Besonders intensiv fühlte ich das auf meiner Kopfhaut. Die Stimulation hat mich beflügelt, sodass ich meine Arme ausbreitete um noch mehr Tropfen zu ergattern.

Dieses empfangen der Signale hat mich sehr glücklich gemacht. Ich wollte mehr davon und habe kurz alles um mich herum vergessen.

Das war ein richtiger Flash, der leider nur ein paar Sekunden angehalten hat.

Anschließend bin ich benommen weitergelaufen und musste erst einmal nach Luft schnappen.

Das Gefühl war Überwältigung und hat mich noch einige Tage beschäftigt.




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