Introvertiert / Extravertiert

Die beiden Begriffe sind Persönlichkeitseigenschaften und sind auf den Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung zurück zu führen. Das Thema ist recht komplex und kann hier nur angerissen werden. Bei den hochsensiblen ist die Verteilung ca. 70/30 Richtung Introvertiertheit.

 
Folgende Eigenschaften treffen auf den Extravertierten zu.

Sie sind oft aktiv und handeln ehrgeizig. Sie sind kontaktfreudig und gesprächig, fühlen sich in Gruppen wohl. Sie neigen zur Selbstdarstellung.

Eigenschaften für Introvertierte.

Sie sind oft ruhig und zurückhaltend. Sie sind gute Zuhörer und Denker.
Introvertiertheit ist nicht gleichzusetzen mit Schüchternheit. Bei der Introvertiertheit geht es um die Reaktion auf Reize (Sinne, soziale Reize).

Extrovertierte Menschen benötigen viele Reize und fühlen sich dabei pudelwohl. Hingegen introvertierte Menschen bevorzugen ruhige und entspannte Umgebung.

Hier gibt es 3 Belohnungssysteme auf die wir nicht weiter eingehen wollen: BAS (Behavioral Activation System), BIS (Behavioral Inhibition System) und das FFS (Fight/Flight System).

Nun können Sie sich vorstellen, wie komplex das ganze Konstrukt wird, denn auch beide Verhaltensweisen sind möglich. Wenn Sie nun auch noch die Hochsensibilität mit einbeziehen, dann wird es noch schwieriger.

Es gibt Studien die den Unterschied via Gehirnströme nachgewiesen haben. Probanden wurden Bilder mit Blumen und Bilder mit Gesichtern vorgehalten. Die Extravertierten regierten wesentlich auffälliger auf die Gesichter, als die introvertierten. Dort ist praktisch kaum ein Unterschied in den Gehirnströmen messbar.

Die Menschen leben eher in großen Städten mit Ansammlungen von Menschen und müssen sich oft mit völlig Fremden, in dieser schnelllebigen Zeit, auseinandersetzen.

Während viele Extrovertierte oberflächliche Begegnungen anregend finden und Smalltalk lieben, werden Introvertierte dadurch oft eingeschüchtert, gelangweilt oder ausgelaugt.

Introvertierte reagieren besonders empfindlich auf ihre Umgebung und sind deshalb leichter ablenkbar. Bei größeren Gesellschaften wird der Introvertierte zum Zuhörer, wobei der Extrovertierte eher zur Aktivität neigt.

Introvertierte Menschen verbringen bevorzugt Zeit alleine, oder unter Freunden. Sie sind oft konzentriert und nehmen sich viel Zeit, wenn es um Problemlösungen geht und sind gehemmt in der Entscheidungsfindung.

Introvertierte sind gute Zuhörer. Sie brauchen Zeit für sich selbst, um ihre Batterien bei einer Tätigkeit, die ihnen Spaß macht, wieder aufzuladen.

Extrovertierte gehen viel eher ins Handeln über. Man könnte meinen, dass Sie einen Hang zum „erst handeln“, und dann denken haben.

Introvertierte tanken auf und schalten ab, wenn sie alleine sind. Extrovertierte tanken in Gesellschaft, Aktion auf und gehen eher Risiken ein.
 
Extrovertierte haben einen Hang ihre Gefühle herauszulassen, im Gegenzug unterdrücken die Introvertierten eher Ihre Gefühle.
 
Extrovertierte denken eher laut und sind entscheidungsfreudig. Die introvertierten denken leise, intensiv, bis ggf. zur Handlungsstarre.
 
Introvertierte lernen durch Beobachtungen und handeln erst, wenn sie verstanden haben. Die Extrovertierten lernen eher durch das tun.

Beispiele:

Introvertierte HSP sitzen z.B. selten mit dem Rücken zur Tür, aber eher am Rand, um bei Bedarf leichter wegzukommen. Extrovertierte passen sich der Stimmung ihrer Umgebung an, Introvertierte empfangen eher die Stimmung. Hier arbeiten auch zwei verschiedene Belohnungssysteme …

Introvertierte vermeiden z.B. ans Telefon zu gehen, wenn es klingelt. Sie haben oft einen AB und rufen viel lieber nach eigenen Bedürfnissen zurück. Extrovertierte gehen sofort dran und freuen sich der spontanen ungeplanten Abwechslung.
 
Weil Introversion ein Persönlichkeitstyp ist, ist es zwecklos, darauf zu warten, dass Sie sich in eine extravertierte Person verwandeln.


"Vorteile und Tipps bei Introversion" in der Huffington Post vom 16.06.15 von Oliver Lippert


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